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Bitte RECHT freundlich!

Bitte RECHT freundlich! - Konzertfotos und ihr Verhältnis zum Recht am eigenen Bild nach dem Kunsturhebergesetz

Von Rechtsanwalt & Journalist Olaf Kretzschmar

„Klick" macht es, und diesmal ist es nicht der Auslöser der Kamera des Bildjournalisten, sondern es sind die Handschellen, die sich um seine Handgelenke schließen.

Diese zugegebenermaßen überspitzt und pointiert wiedergegebene Szenerie ist zumindest nach dem Wortlaut des Kunsturhebergesetzes, das mit § 22 das Recht am eigenen Bild schützt und die Verbreitung sowie das öffentliche zur Schau stellen des Bildnisses mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft, denkbar, wenn dies auch eher realitätsfern sein dürfte.

Es entspricht gängiger Praxis, dass Fotografen von Konzertveranstaltern sogenannte Akkreditierungen erhalten, um sich für den Verlauf der Bühnenshow 90 Minuten im Fotograben tummeln und ihrer Tätigkeit als Chronisten des Bildgeschehens nachgehen zu dürfen. Wer eine solche Akkreditierung ergattert hat, muss sich zumindest keine Sorgen darüber machen, das Hausrecht des Veranstalters zu verletzen. Die „nackte" an das Revers geheftete Karte mit der Aufschrift „Fotograf" o.ä. besagt auch erst einmal nicht mehr, als dass man den Ort der Veranstaltung überhaupt betreten und dort Fotoaufnahmen anzufertigen befugt ist.

Sind die Aufnahmen erst einmal auf den Filmstreifen gebannt, stellt sich die Frage, was nun mit dem gewonnenen Negativ anzustellen ist.

Unser Fotograf schaut zur Klärung dieser Fragestellung auf seine Karte, mit der die Akkreditierung dokumentiert ist und stellt in den meisten Fällen fest, dass er danach genau so schlau ist wie vorher. In den seltensten Fällen, lassen sich nämlich Fotografen von dem, die jeweilige Band vertretenden Konzertveranstalter oder aber von der Band selbst, bzw. ihrem Management die ausdrückliche schriftliche Einwilligung erteilen, die mit Einverständnis aufgenommenen Fotos für die konkret von ihnen verfolgten Zwecke zu veröffentlichen und/oder zu verbreiten. Genau dies wäre, gerade im Hinblick auf die als „Dauerbrenner" zu bezeichnenden rechtlichen Konflikte zwischen Bands und Fotografen im Zusammenhang mit der Nutzung von Konzertfotos äußerst wichtig und im Interesse der Rechtssicherheit für beide Seiten auch unbedingt empfehlenswert. § 22 KUG drückt dies in seinen Sätzen 1 und 2 so aus: „... Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, dass er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhält. ...". Eine ausdrückliche, aus Gründen der Beweisbarkeit am besten schriftliche Einverständniserklärung sollte also angestrebt werden. Hierbei ist peinlich darauf zu achten, dass die Art und Weise der später beabsichtigten Verwendung, genau bezeichnet wird. Das Einverständnis kann sich etwa konkret auf die Veröffentlichung der Fotos im Internet oder auch das Anbieten der Bilder an Dritte gegen Entgelt beziehen. Letztlich weiß jeder Fotograf selbst am besten, wofür er welche Fotos verwenden möchte und sollte diese Zwecke, einer von ihm zur Unterschrift vorgefertigten Einwilligungserklärung zu Grunde legen, es sei den ihm kommt bereits einer der in § 23 KUG normierten Ausnahmetatbestände zu Hilfe.

Willkommen in der Wirklichkeit!

Wie so oft decken sich Realität und Wunschdenken meist nicht. Sprich: außer dem besagten „nackten" Fotopass hat unser Fotograf Nichts in der Hand. Will er nun Abzüge von den Bildern machen und für seine Zwecke nutzen, muss er sich die Frage stellen, ob die erteilte generelle Erlaubnis die Fotos aufzunehmen noch die von ihm verfolgten Verwertungsziele deckt.

In diesem Zusammenhang ist mangels ausdrücklicher Regelung auf die Rechtsfigur der sog. „Zweckbestimmung" zurückzugreifen. Nicht selten ergibt sich das Problem, dass Fotografen sich nicht darüber im Klaren sind, dass es gilt, den Geltungsbereich der erteilten Einwilligung zu ermitteln. Stattdessen wird mehr oder weniger sorglos angenommen, man könne mit der in einer bestimmten Konstellation gestatteten Abbildung einer Person zukünftig nach Belieben verfahren und die Bilder ohne Berücksichtigung eines Veröffentlichungszwecks veräußern oder öffentlich zugänglich machen.

Grundsätzlich gilt:

Wie im Bereich des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts generell, wird man auch für den Spezialfall des Rechts am eigenen Bild von der Regel ausgehen müssen, dass die Einwilligung nur soweit reicht, wie der mit ihrer Erteilung verfolgte Zweck (Löffler/Steffen, Presserecht, § 6 LPG, Rdnr. 127). Ist der Veröffentlichungszweck nicht Gegenstand der ausdrücklichen Einigung, so ist er den Umständen zu entnehmen, die für die Erteilung maßgeblich waren (OLG Hamburg, AfP 81, 356 - Intime Sprechstunde). Mangels ausdrücklicher Vereinbarung erfasst die Einwilligung zur Herstellung von Fotografien nicht auch die Verwendung der so entstandenen Fotos für Werbung/Merchandising (Soehring/ Hoeren, Presserecht, Rdnr. 21.25). Nun kann man sich freilich trefflich darüber streiten, welche Handlungen dem sog. Merchandising unterfallen - im engeren Sinne sicherlich zunächst der Einsatz von Bildern zum Zwecke der Verkaufsförderung bezogen auf andere Waren oder Dienstleistungen. Der Verkauf von Konzertfotos könnte jedoch ebenso als Merchandising um der Bilder selbst Willen verstanden werden. Der Einsatz einer Aufnahme zu Werbezwecken ist ohne spezielle Vereinbarung prinzipiell unzulässig und kann ausnahmsweise nur dann zulässig sein, wenn eine, jedenfalls schlüssige Einwilligung den Umständen des konkreten Falles entnommen werden kann. So liegt etwa eine Einwilligung nicht vor, wenn ein Model anlässlich einer Modenschau berechtigtermaßen fotografiert wird und die so entstandenen Bilder nicht nur im Rahmen der reinen Berichterstattung über die Modenschau, sondern auch in der Werbung, benutzt werden (OLG Koblenz, NJW-RR 1995, 1112).

Zu beachten ist auch, dass die generelle Einwilligung in die Veröffentlichung eines Bildes jedenfalls nicht eine solche Veröffentlichung deckt, die den Betroffenen in unvorhersehbarer Weise in einen Zusammenhang bringt, durch den seine Ehre schwer beeinträchtigt wird (OLG Hamburg, AfP 81, 356 - Intime Sprechstunde). Vorsicht ist auch dort geboten, wo durch die Veröffentlichung die Intimsphäre des Betroffenen verletzt sein könnte.

Die o.g. Ausführungen zeigen, dass die Auslegung einer nur schlüssig, nicht aber ausdrücklich erklärten Einwilligung in die Veröffentlichung von Konzertfotos oft zum Nachteil des Bildjournalisten ausgehen kann, insbesondere wenn er beabsichtigt, die Bilder auf seiner Webseite zu veröffentlichen oder wenn er, über den bloßen Zweck der Berichterstattung über das Ereignis, im Rahmen dessen die Fotos aufgenommen wurden, zu berichten hinaus, er beabsichtigt, die Bilder Dritten zum Kauf anzubieten.

Hat er sich diese Zwecke zuvor schriftlich vom Abgelichteten absegnen lassen, kann er beruhigt seinem Beruf nachgehen, ohne das Eintreffen von Abmahnschreiben befürchten zu müssen, die übrigens auch nicht selten zu Unrecht ausgesandt werden.

„Klick" macht es da; aber nun ist es wieder das Geräusch der Kamera unseres Fotografen, der dazu gelernt hat und bei dem Veranstalter des Konzerts vorher um die ausdrückliche Genehmigung zur Veröffentlichung der von ihm angefertigten Konzertfotos für die von ihm verfolgten Zwecke nachgesucht hatte.

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